Croissant-Krümel auf der Lichterführungstabelle, der Kaffee längst kalt, und zum ersten Mal ordne ich jede Laterne auf Anhieb dem richtigen Kurs zu – kein Zögern, kein Zurückblättern zur Legende. Rot, Grün, Weiß, in der richtigen Kombination erkannt, ohne nachzudenken. So ein Morgen macht klar, warum ein 33-jähriger Software-Entwickler aus Köln freiwillig Hunderte Prüfungsfragen für SBF See und SBF Binnen auswendig lernt.
Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Dieses Logbuch verlinkt auf den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Onlinekurs, durch den ich mich gerade selbst arbeite. Bucht ihr darüber, bekomme ich eine kleine Provision, euer Preis ändert sich dadurch nicht. Ich schreibe darüber, weil das Ding gerade permanent auf meinem Tablet offen ist – nicht, weil mich jemand dafür bezahlt hat, es gut zu finden.
Warum ausgerechnet SBF See und SBF Binnen – und das mit Anfang 30?
Mein Schwager Götz hat mich Anfang des Jahres zu einem Wochenend-Törn auf die Ostsee mitgenommen, und genau da fing das Ganze an. Er erklärt Segelmanöver am liebsten mit Motorsport-Vergleichen, weil er weiß, dass "Lenkeinschlag" bei mir mehr auslöst als "Ruderlage" – trotzdem stand ich am Steuer und hatte keinen blassen Schimmer, was zu tun ist, wenn uns ein Frachter entgegenkommt. Diese Mischung aus Faszination und totaler Hilflosigkeit ließ mich nicht mehr los.
Also habe ich mich für den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Kombikurs angemeldet, SBF See und SBF Binnen zusammen. Der Grund ist simpel: Wer in Deutschland mit mehr als 15 PS (11,03 kW) auf den meisten Bundeswasserstraßen unterwegs sein will, braucht ohnehin einen Schein, und ich weiß bis heute nicht, ob es mich später eher auf den Rhein bei Rodenkirchen oder an die kroatische Küste zieht. Wer sich bei der Frage SBF See oder Binnen zuerst unsicher ist, findet dazu einen eigenen Artikel von mir – hier soll es um das große Warum gehen, nicht um die Detailabwägung.
Der ehrliche Erfahrungsbericht: Was beim ersten Anlauf schiefging
Der erste Rückschlag kam früher, als mir lieb war. Götz hatte noch ein altes SBF-Lehrbuch im Regal stehen, Ausgabe 2018, und weil ich sparen wollte, habe ich mir das geliehen statt gleich in aktuelles Material zu investieren. Damit habe ich gepaukt und mich sicher gefühlt. Beim ersten Theorietest merkte ich, dass sich der Fragenkatalog seitdem spürbar verändert hatte. Durchgefallen, und zwar nicht knapp.
Kein Beinbruch, aber ein teurer Anfängerfehler bei der Zeitplanung. Für den zweiten Anlauf habe ich mich strikt an das aktuelle Kursmaterial gehalten und das alte Lehrbuch komplett aus dem Kopf verbannt. Diesmal saß der Stoff, aber das Gefühl, mit veraltetem Wissen in eine Prüfung zu laufen, vergesse ich nicht so schnell.
Wie klappt das Lernen neben dem Vollzeitjob?
Mein Schreibtisch steht am Fenster meiner Wohnung in Ehrenfeld, zwei Monitore nebeneinander. Tagsüber Code, abends kippt der rechte Bildschirm einfach auf den Kurs um. Das SBF-Lehrbuch und ein Seekartenausschnitt liegen dort inzwischen dauerhaft neben der Tastatur, der Laptop-Tab mit dem Kurs bleibt offen, egal wie viele Fenster für die Arbeit noch dazukommen.
Diese Flexibilität ist der eigentliche Grund, warum das Projekt neben einem Vollzeitjob überhaupt läuft. Wie man sich das als Berufstätiger sinnvoll einteilt, wäre ein eigenes Thema für sich. Konkret heißt das bei mir: eine Lektion über Lichterführung notfalls mitten im Satz abbrechen, wenn der Kopf nach acht Stunden Bildschirmarbeit dichtmacht, und am nächsten Abend genau dort weitermachen.
Im Kursforum bin ich über einen gewissen Wilfried Kupfer gestolpert, Buchhalter aus Münster und ein paar Lektionen weiter als ich. Er postet dort regelmäßig einen "Tipp der Woche" – meistens hilfreich, manchmal so detailliert, dass ich als Anfänger erst mal googeln muss, wovon er überhaupt spricht.
Wie tückisch ist das Kursdreieck wirklich?
Richtig hart hat mich die erste Navigationsaufgabe erwischt. Mit Zirkel und Kursdreieck eine Peilung in die Seekarte einzutragen, klingt nach Grundschulgeometrie, fühlt sich aber an wie ein komplett neues Handwerk. Meinen ersten Versuch erkenne ich noch an den Bleistiftspuren auf dem Kartenausschnitt – lauter dünne, sich überlagernde Linien, weil ich den Winkel dreimal neu angesetzt habe, bevor auch nur eine Peilung stimmte.
Das eigentliche Problem war nicht der Zirkel, sondern dass ich Kurs und Gegenkurs beim Ablesen verwechselt hatte, ein Fehler, der sich beliebig oft wiederholt, wenn man ihn nicht einmal bewusst durchdenkt. Wie sich diese Aufgabe systematisch lösen lässt, ohne sich in der eigenen Bleistiftspur zu verlieren, habe ich in einem separaten Artikel zu den Navigationsaufgaben aufgeschrieben.
Knoten unter Druck: wenn die Finger nicht mitspielen
Am Küchentisch übe ich den Webeleinstek mit einem Stück weißer Leine, im Ruhezustand klappt das inzwischen ordentlich. Unter Zeitdruck ist das eine andere Geschichte: Bei einer selbst gestellten Prüfungssimulation, Stoppuhr auf dem Handy, wollte meine rechte Hand partout nicht das tun, was mein Kopf ihr sagte, und aus dem Knoten wurde ein Gebilde, das eher an ein verknotetes Kopfhörerkabel erinnerte als an seemännisches Handwerk.
Der Onlinekurs schiebt mich mit endlosen Quizfragen weiter, aber gegen zittrige Finger unter Zeitdruck hilft das am Küchentisch herzlich wenig. Was hängen geblieben ist: Ein Knoten, den man nur auswendig kennt, aber nicht blind binden kann, zählt in der Prüfung nicht. Seitdem übe ich bewusst mit Ablenkung nebenbei – Fernseher an, Handy klingelt –, damit die Finger den Ablauf auch dann finden, wenn der Kopf gerade woanders ist.
Das Sporttauglichkeitszeugnis, das ich fast verpennt hätte
Ein Abend am Rheinufer in Deutz hat mir das vor Augen geführt, eher zufällig: Ich bin dort spazieren gegangen, um den Kopf nach einer Theorielektion freizubekommen, und beim Blick aufs Handy fiel mir eine Erinnerung ins Auge, die ich Monate vorher selbst gesetzt hatte. Es ging um das amtliche Gesundheitsattest, das man für die Zulassung zur praktischen Prüfung braucht.
Das Attest hatte ich brav gleich zu Kursbeginn besorgt, quasi als erledigte Aufgabe abgehakt, und dabei komplett übersehen, dass es nur eine begrenzte Zeit gültig ist. Bis zum tatsächlichen Prüfungstermin wäre es längst abgelaufen gewesen. Ein zweiter Arzttermin, ein zweiter Weg – ärgerlich, aber vermeidbar, wenn ich von Anfang an auf das Datum geachtet hätte statt nur auf das Häkchen auf meiner To-do-Liste.
Fachchinesisch am Anfang: Begriffe, die mich überfordert haben
Manche Begriffe haben mich anfangs komplett aus der Bahn geworfen, einfach weil die Wörter selbst schon fremd klangen. Backbord und Steuerbord im Kopf nicht zu vertauschen, war eine eigene kleine Prüfung für sich. Die Vorfahrtsregeln auf See mit ihren festen Rollen für Kurshalter und Ausweichpflichtige haben mir gezeigt, dass "einfach mal gucken, wer zuerst da ist" auf dem Wasser keine Option ist. Beim Betonnungssystem musste ich erst verstehen, dass ein Kardinalzeichen etwas völlig anderes aussagt als eine einfache Fahrwassertonne, und die Schallsignale nach den Kollisionsverhütungsregeln klangen beim ersten Hören wie eine fremde Morsesprache.
Was jetzt noch fehlt, bevor ich SBF-Inhaber bin
Vor mir liegt noch die praktische Prüfung mit Pflichtmanövern wie Anlegen, Ablegen und dem Mensch-über-Bord-Manöver, und eine Bootsschule in Rodenkirchen habe ich dafür schon kontaktiert. Der theoretische Grundstein ist gelegt, der Rest ist jetzt eine Frage von Übung und Nerven.
Falls du selbst mit dem Gedanken spielst und wie ich glaubst, als Schreibtisch-Täter fehle dir die Zeit: Genau diese Flexibilität war für mich der Unterschied zwischen "irgendwann mal" und tatsächlich anfangen. Den Kurs, den ich nutze, kannst du dir hier genauer ansehen – ich bin am Ende der, der beim Anlegen wahrscheinlich noch dreimal nachkorrigiert und dabei leise über Race Conditions flucht.