Vom Code zum Kurs: Warum ich als Kölner Software-Entwickler plötzlich den SBF will

2026.04.30
Vom Code zum Kurs: Warum ich als Kölner Software-Entwickler plötzlich den SBF will

Es war der 14. Februar 2026, Valentinstag auf der Ostsee, und ich hatte keine Ahnung, was ich da tat. Mein Schwager reichte mir das Steuer seiner betagten Segelyacht, während der Wind mir die Tränen in die Augen trieb. Ich spürte das raue Gefühl der salzigen Reling unter meinen kalten Fingern und diesen beißenden Geruch von Dieselnebel, als wir den Motor anließen – ein Moment, der sich so viel realer anfühlte als jede Zeile Code, die ich je geschrieben habe.

Hinweis vorab: In diesem Logbuch findest du Links zum Sportbootführerschein SBF See-Binnen Onlinekurs, den ich gerade selbst durcharbeite. Wenn du darüber buchst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle das Ding nur, weil es aktuell mein täglicher Begleiter auf der Couch ist.

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KW 07: Die Leere hinter Zeile 402

Zurück in Köln, drei Tage nach dem Törn. Ich saß in meinem Büro am Neumarkt und starrte auf Zeile 402 in einer Cloud-Architektur, die ich eigentlich debuggen sollte. Aber mein Kopf war noch auf der Ostsee. Mit 33 Jahren dachte ich eigentlich, ich hätte mein Leben in digitalen Bahnen im Griff. Doch dieses Gefühl der absoluten Hilflosigkeit am Steuer – das Wissen, dass ich nicht mal wüsste, wie man ausweicht, wenn uns ein Frachter rammt – ließ mich nicht los.

Ich bin ein klassischer Schreibtisch-Täter mit zwei linken Händen, wenn es um Handwerk geht. Aber der Wunsch nach echter, analoger Verantwortung wuchs. Ich wollte nicht mehr nur Passagier sein. Ich wollte verstehen, wie man dieses Ding namens Boot bändigt.

KW 10: Die Entscheidung für Nullen und Einsen

Am 05. März 2026 habe ich mich schließlich angemeldet. Als Software-Entwickler bin ich ein Digital Native durch und durch. Die Vorstellung, mich jeden Dienstagabend in ein stickiges Vereinsheim am Rhein zu setzen, um einem Skipper beim Monolog zuzuhören, schreckte mich ab. Ich brauchte etwas, das zwischen Code-Reviews und Windelwechseln passt.

Ich habe mich für den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Kombikurs entschieden. Warum Kombi? Weil man in Deutschland für Motoren mit mehr als 15 PS (11,03 kW) auf Bundeswasserstraßen ohnehin einen Schein braucht und die kombinierte Theorieprüfung Zeit und Nerven spart. Außerdem weiß ich heute noch nicht, ob ich später eher auf dem Rhein bei Rodenkirchen oder vor Kroatien rumschippern will.

Der Realitätscheck für Eltern

Hier kommt der Punkt, den die Hochglanz-Broschüren der Segelschulen gerne verschweigen: Wenn du kleine Kinder hast, ist ein fester Lernplan ein schöner Traum, der an der nächsten Mittelohrentzündung zerschellt. Mein SBF-Projekt funktioniert nur, weil ich den Kurs auf dem Tablet habe. Ich lerne, wenn das Kind schläft – oder es zumindest versucht. Standard-Lernpläne scheitern an diesen unvorhersehbaren Unterbrechungen. Ich brauche die Flexibilität, eine Lektion über Lichterführung mitten im Satz abzubrechen, wenn das Babyfon anschlägt.

KW 12 bis 14: Von Lichtern und totalem Versagen

Die Theorie ist ein Monster. Wir reden hier von insgesamt 585 Prüfungsfragen für die Kombi-Variante. Ich habe drei Abende lang versucht, die Lichterführung zu verstehen, nur um zu merken, dass ich Backbord und Steuerbord im Kopf komplett vertauscht hatte. Ich debugge täglich komplexe Cloud-Strukturen, aber dieses Plastik-Dreieck auf einer Papierkarte bringt mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Mein innerer Monolog war wenig schmeichelhaft: „Du kannst Kubernetes-Cluster skalieren, aber bist zu blöd, eine Peilung in eine Seekarte einzutragen?“

Was ich diese Woche tatsächlich gelernt habe:

KW 15: Die Mathematik des Feierabends

Am 15. April 2026 saß ich über meinen Statistiken. Seit 56 Tagen bin ich nun dabei. Ich habe mir vorgenommen, jeden Abend im Schnitt 45 Minuten auf der Couch zu investieren. Wenn ich das hochrechne, komme ich auf etwa 42 Gesamtstunden, die ich bisher in die Theorie gesteckt habe. Das klingt viel, fühlt sich aber durch die kleinen Häppchen im Online-Kurs machbar an.

Trotzdem gab es diesen einen Moment beim Blick auf die Website der Bootsfahrschule in Rodenkirchen für die Praxisstunden. Ich bekam ein flaues Gefühl im Magen, als ich die Kosten für die Fahrstunden und die Prüfungsgebühren schwarz auf weiß sah. Das ist kein billiges Hobby, aber die Vorstellung, im Sommer selbst am Steuer zu stehen, ist ein verdammt guter Motivator.

Tag 56: Fazit eines Anfängers

Heute ist der 30. April 2026. Ich bin noch kein Kapitän. Ich bin immer noch der Typ, der beim Wort „Ablenkung“ zuerst an sein Smartphone denkt und nicht an die magnetische Missweisung des Kompasses. Aber ich bleibe dran. Die Disziplin nach Feierabend gibt mir ein Gefühl von Freiheit, das kein Bugfix in einem Software-Projekt bieten kann.

Die praktische Prüfung mit ihren Pflichtmanövern wie „Anlegen“, „Ablegen“ und dem „Mensch-über-Bord“-Manöver steht mir noch bevor. Aber der theoretische Grundstein ist gelegt. Wenn du auch mit dem Gedanken spielst, aber denkst, du hättest keine Zeit: Der Online-Kombikurs ist für uns Schreibtisch-Täter wahrscheinlich die einzige Chance, das Projekt SBF wirklich durchzuziehen, ohne das soziale Leben komplett zu opfern. Wir sehen uns auf dem Wasser – ich bin der, der beim Anlegen wahrscheinlich dreimal nachkorrigieren muss.