Richtige Kommunikation auf dem Wasser: Wie man sich mit Skippern verständigt

2026.09.03
Richtige Kommunikation auf dem Wasser: Wie man sich mit Skippern verständigt

Eines windigen Nachmittags im Februar 2026 stand ich auf dem Deck der Yacht meines Schwagers an der Ostsee, die Hände fest um ein Seil geklammert, während das Boot bedrohlich zur Seite kippte. Mein Schwager brüllte gegen den Wind: „Fier auf die Schote!“ Ich starrte ihn an, dann das Seil, dann wieder ihn. In meinem Kopf passierte gar nichts. Es fühlte sich an, als hätte er mich gerade auf Klingonisch beleidigt oder einen Syntax-Fehler in mein Gehirn kompiliert. Das raue Gefühl der salzverkrusteten Leine in meinen weichen Bürohänden, während der Wind seine Worte fast unhörbar machte, ist eine meiner intensivsten Erinnerungen an diesen Tag. Ich dachte in diesem Moment ernsthaft, „Fier auf“ wäre ein Tippfehler im Skript, bis ich später im Online-Kurs merkte, dass es das nautische Äquivalent zu einem kontrollierten „Release“ ist.

KW 12: Warum „Links“ und „Rechts“ auf dem Wasser abstürzen

Als ich mich Mitte März 2026 für meinen Online-Kurs zum Sportbootführerschein anmeldete, war mein Ziel klar: Nie wieder wie ein Depp auf dem Vordeck stehen. In der ersten Theorie-Lektion lernte ich schnell, dass die Seefahrt eine Sprache spricht, die keine Missverständnisse duldet. Als Softwareentwickler verstehe ich das – wenn der Code nicht präzise ist, gibt es einen Systemabsturz. Auf dem Wasser ist das nicht anders, nur dass der Bug deines Bootes im schlimmsten Fall die Fehlermeldung in den Rumpf eines anderen Schiffes schreibt.

Ich habe mich anfangs gefragt, warum wir nicht einfach „links“ und „rechts“ sagen können. Die Antwort ist so logisch wie simpel: Wenn ich mich zum Heck umdrehe, tauschen links und rechts ihre Plätze. Aber Backbord (links, rot markiert) und Steuerbord (rechts, grün markiert) bleiben immer fest dem Schiff zugeordnet. Das ist keine unnötige Nostalgie, sondern die einzige Möglichkeit, bei Schräglage und Hektik die Orientierung zu behalten. Wer das Mindestalter von 16 Jahren für den SBF See erreicht hat, sollte diese Vokabeln im Schlaf beherrschen – ich übe sie jedenfalls abends auf der Couch, während ich so tue, als wäre meine Fernbedienung das Steuer.

Nahaufnahme eines Notizbuchs mit Skizzen zu Backbord und Steuerbord neben einer Computermaus.

Die Syntax der Befehle: Das „Closed-Loop“-Prinzip

Nach etwa drei Monaten Theoriebüffeln stieß ich auf ein Konzept, das mich sofort an meine täglichen Stand-up-Meetings im Büro erinnerte: Das Closed-Loop-Prinzip. Ein Befehl wird nicht einfach nur ausgeführt, er wird laut bestätigt. Wenn der Skipper sagt: „Klar zum Ablegen!“, antworte ich: „Ist klar zum Ablegen!“ Erst wenn die Bestätigung da ist, folgt die eigentliche Ausführung. Das verhindert, dass jemand eine Leine loswirft, während der Motor noch gar nicht läuft.

Ich bin kein Profi und habe als IT-Mensch eher zwei linke Hände, was körperliche Arbeit angeht, aber dieses System gibt mir Sicherheit. Es nimmt den Stress aus der Situation, weil man weiß: Solange ich nichts bestätigt habe, wird nichts Unvorhergesehenes passieren. In meiner Welt ist das wie ein Handshake-Protokoll bei der Datenübertragung. Wenn man sich unsicher ist, was man beim Motorbootfahren anziehen sollte, ist das eine Sache, aber wenn die Kommunikation nicht steht, hilft auch die beste Kleidung für Sportboot-Anfänger nichts gegen das Chaos an Bord.

Schallsignale: Wenn das Boot „spricht“

Manchmal reicht die Stimme nicht aus, besonders wenn der Motor dröhnt oder der Wind pfeift. Hier kommen die Schallsignale ins Spiel, die in der SeeSchStrO und BinSchStrO (den Verkehrsregeln auf dem Wasser) festgeschrieben sind. Ich lerne gerade die „Morsezeichen“ der Skipper:

Es ist faszinierend und beängstigend zugleich. Mein erster Versuch, diese Signale auswendig zu lernen, endete damit, dass ich die Töne für „Manövrierunfähigkeit“ mit „Ich will überholen“ verwechselt habe – ein Fehler, den man besser nicht in der Praxis macht. Wer auf dem Rhein unterwegs ist, sollte hier besonders aufpassen, da die Berufsschifffahrt dort wenig Humor bei Fehlern zeigt. Ein Blick in die Regeln auf dem Rhein für Sportbootfahrer hilft, die Nerven zu beruhigen.

Die Falle der Handzeichen: Warum Gestik gefährlich sein kann

Hier kommt meine persönliche Erkenntnis, die so in kaum einem Lehrbuch steht: Hören Sie auf, blind auf Handzeichen zu vertrauen. Ich habe beobachtet, wie Anfänger versuchen, komplexe Manöver wie das Anlegen allein durch wildes Fuchteln zu klären. Das Problem? Bei grellem Sonnenlicht oder Gischt sieht man den ausgestreckten Arm kaum. Ein Daumen hoch kann „Alles okay“ bedeuten oder „Zieh die Leine hoch“. Die meisten Missverständnisse auf dem Wasser entstehen durch den Versuch, komplexe Manöver ohne Funk- oder Sprechkontakt gestisch klären zu wollen.

Besonders kritisch wird es, wenn man sich auf Distanz verständigen muss. Profis greifen dann zum Funk. Der Internationale Notruf- und Anrufkanal auf UKW ist die 16. Wenn ich das in meinem Kurs höre, fühle ich mich schon fast wie ein richtiger Seefahrer, auch wenn mein aktueller Aktionsradius noch bei der Kölner Rheinpromenade endet. Wer Funk nutzt, muss präzise sein – da gibt es kein „Äh, ich mein das rote Boot da drüben“.

Ein Marinefunkgerät und ein Fernglas auf einem Fensterbrett mit Blick auf einen Fluss.

Beobachtungen am Kölner Rheinufer: Tag 160

Letztes Wochenende saß ich am Kölner Rheinufer und habe die Sportboote beobachtet, die dort anlegten. Man sieht sofort, wer seine Hausaufgaben gemacht hat. Da gab es eine Crew, die völlig lautlos arbeitete. Ein kurzer Blick, ein knappes Kommando, die Bestätigung – und das Boot lag perfekt am Steg. Keine Hektik, kein Gebrüll. Ruhe ist die höchste Form der nautischen Kommunikation.

Ich habe angefangen, meine Fortschritte in einem Heft festzuhalten, auch wenn ich noch kein echtes Schiff besitze. Ein nautisches Logbuch richtig zu führen, ist eine Übung in Disziplin, die auch die Kommunikation verbessert, weil man lernt, Ereignisse kurz und präzise zusammenzufassen. Mein aktueller Eintrag für heute: „Theorie-Lektion Schallsignale abgeschlossen. Verwechslungsgefahr zwischen Steuerbord-Änderung und ‚Achtung‘-Signal minimiert. Knoten Nummer drei sieht immer noch aus wie ein verfilztes Kopfhörerkabel.“

Fazit für den Feierabend-Kapitän

Kommunikation auf dem Wasser ist kein Hexenwerk, aber sie erfordert, dass man sein Ego an Land lässt. Es geht nicht darum, cool zu klingen, sondern darum, sicherzustellen, dass die Information ankommt. Ob es nun das Wissen um Luv (dem Wind zugewandte Seite) und Lee (dem Wind abgewandte Seite) ist oder die korrekte Bestätigung eines Ausweichmanövers gemäß der Kollisionsverhütungsregeln (KVR) – jedes Wort zählt.

Wenn ihr also demnächst jemanden seht, der am Rheinufer steht und leise „Eins kurz heißt Steuerbord“ vor sich hin murmelt, dann bin ich das vermutlich. Ich bin noch weit davon entfernt, ein Skipper zu sein, aber ich fange an, die Sprache zu verstehen. Und das ist der erste Schritt, um irgendwann selbst sicher am Steuer zu stehen. Wer unsicher ist, sollte immer einen Profi oder eine Segelschule konsultieren, denn das hier ist nur mein persönlicher Weg vom Schreibtisch aufs Wasser.

Mal kurz: Kurz: Was du hier liest, ist meine eigene Sicht -- keine Beratung. Hol dir bei Fragen zu deiner Gesundheit oder deinem Geld immer den Rat einer Fachperson, die deinen Fall wirklich kennt.