Drei Dinge muss ich checken, bevor der Anker über die Bordwand geht, und trotzdem reicht ein einziges davon, um mir die Nacht zu verderben. Grund, Wind und Platz zum Schwojen, das klingt nach einer einfachen Liste, bis man merkt, dass keiner der drei Punkte für sich allein etwas taugt. Genau das ist der Teil vom Sportbootführerschein SBF See-Binnen, den ich anfangs komplett unterschätzt habe: Ankern für Anfänger klingt nach „Kette rein, fertig", und diese Annahme wird im Kurs ziemlich schnell zerlegt. Als Softwareentwickler mit zwei linken Händen, was Wasser angeht, führe ich eine Art Segel-Tagebuch über das, was beim Online-Bootsführerschein wirklich hängen bleibt, und Ankerplätze gehören zu den Kapiteln, die sich nicht einfach auswendig lernen lassen.
Ein kurzer Disclaimer, weil er hierher gehört, bevor irgendetwas anderes kommt: Auf dieser Seite verlinke ich gelegentlich zu dem Online-Kurs, den ich selbst gerade durcharbeite, und wenn jemand darüber bucht, bekomme ich eine kleine Provision – am Preis ändert das nichts. Ich bin kein Segellehrer und bei keinem Verband angestellt, nur ein Anfänger, der seinen eigenen Lernweg dokumentiert, also im Zweifel immer eine Fachperson oder Bootsschule vor Ort fragen.
Ankern ist keine Parklücke
Beim Autofahren reicht ein Blick auf die Parklücke: zu schmal oder nicht, mehr muss man nicht wissen. Beim Ankern kommen mindestens drei Faktoren zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen, und genau das macht das Thema im Sportbootführerschein SBF See-Binnen zu einem der zähesten Kapitel für mich. Der erste Faktor ist der Grund: Auf manchem Untergrund gräbt sich der Anker sofort ein, auf anderem rutscht er nur hin und her, ohne wirklich zu fassen. Der zweite Faktor ist der Schutz vor Wind und Strömung: eine Bucht, die tagsüber ruhig wirkt, kann nachts völlig anders aussehen, wenn der Wind dreht. Der dritte Faktor ist der Platz zum Schwojen, also der Radius, den das Boot beschreibt, wenn es sich um den Ankerpunkt dreht. Erst wenn alle drei zusammenpassen, ist ein Platz wirklich brauchbar, und genau diese Kombination lässt sich nicht in einer einzigen Faustregel zusammenfassen, so gerne ich das als Anfänger gehabt hätte.
Grund, Schutz und Schwojraum im Vergleich
Im Kurs wird das Thema an zwei ziemlich gegensätzlichen Situationen durchgespielt, und dieser Vergleich hat mir am Ende mehr gebracht als jede einzelne Regel für sich. Situation eins: eine geschützte Bucht mit Sand- oder Schlickgrund, in der der Anker zuverlässig fasst, in der aber schon andere Boote liegen und mein Schwojkreis ihren Radius streifen könnte, sobald der Wind dreht. Situation zwei: offeneres Wasser mit freier Platzwahl, in dem ich niemandem in die Quere komme, dessen Untergrund aber unklar bleibt, weil die Karte an dieser Stelle nur grob eingezeichnet ist.
Für die reine Kartenarbeit (Tiefenlinien lesen, Abstände einschätzen, den ungefähren Untergrund einordnen) habe ich mir irgendwann ein ordentliches SBF See Navigationsset zugelegt, weil mich billiges Zirkel-Plastik nur genervt hat und die Linien auf der Karte nie sauber wurden.
Zwischen den beiden Situationen gibt es keine pauschal richtige Antwort, aber eine Faustregel ist mir geblieben: Wenn ich die Wahl habe, nehme ich lieber den engeren, aber geschützten Platz und behalte den Schwojkreis der Nachbarboote im Auge, statt mich bei unklarem Grund auf offenes Wasser zu verlassen, wo ich als Anfänger nachts vermutlich zu spät merken würde, dass der Anker durchrutscht.
Die Seekarte allein ist nicht genug
Nein, und das ist vermutlich die ehrlichste Antwort, die ich aus dem Kurs zu diesem Thema mitnehme. Die Karte zeigt Tiefen und einen groben Untergrund, aber nichts über das Wetter von morgen und nichts über die Boote, die vielleicht erst nach mir in dieselbe Bucht einlaufen.
Das Betonnungssystem mit seinen Seezeichen ist noch mal ein eigenes Kapitel für sich, genauso wie die Vorfahrtsregeln auf See oder die Schallsignale, die bei Nebel oder Sichtkontakt zu einem anderen Fahrzeug greifen: für mich alles Themen, die untereinander wenig zu tun haben, außer dass sie in derselben Prüfung abgefragt werden. Auch die Kursdreieck-Rechnerei mit Zirkel und Lineal hilft beim Ankerplatz nur indirekt, weil sie mir sagt, wo ich bin, nicht, ob der Boden dort etwas taugt. Dass ich mich am Ende für das Kombi-Paket aus SBF See und SBF Binnen entschieden habe statt für nur einen der beiden Scheine, hängt auch mit genau dieser Erfahrung zusammen.
Vom Auswendiglernen zum Verständnis
Am Anfang habe ich versucht, mir Formeln und Faustregeln einfach auswendig zu merken, ganz ohne Bezug zu einem echten Boot. Nach zwei Tagen war das meiste davon wieder weg, so als hätte ich es nie gelesen. Das hat mich ziemlich frustriert, weil ich dachte, mit einem Job voller Algorithmen müsste mir reines Auswendiglernen leichtfallen; stattdessen habe ich gemerkt, dass eine Regel beim Ankern genauso wenig bringt wie beim Programmieren, wenn man den Kontext nicht kennt, in dem sie überhaupt gilt.
Ganz anders lief es, als ich auf einer Rheinfähre plötzlich das grüne Steuerbordlicht eines Schubverbands erkannte, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken: etwas, das für mich bis dahin nur eine trockene Zeile im Lehrbuch gewesen war. Die Notizen dazu landen inzwischen in einem eigenen Glossar der Sportbootbegriffe, direkt neben den Erklärungen zu Luv und Lee, die ich anfangs ständig verwechselt habe.
Am Fenster meines Schreibtischs in der Ehrenfelder Altbauwohnung stehen inzwischen zwei Monitore nebeneinander, und zwischen Tastatur und Mauspad haben sich das SBF-Lehrbuch und ein Ausschnitt der Seekarte breitgemacht, während im Browser dauerhaft ein Tab mit dem Online-Kurs offenbleibt.
Ingo hält es für ein Hobby, Xaver hält es für Formsache
Mein Kollege Ingo Bremer, mit dem ich im selben Entwicklungsteam sitze, hielt die ganze SBF-Idee anfangs für eine Schnapsidee, denn er ist eher der Typ fürs Mountainbike und hat mit Wasser sonst nichts am Hut. Inzwischen findet er es gut, dass ich neben dem Bildschirm endlich noch etwas anderes habe, auch wenn er beim Thema Ankerplätze im Pausenraum meistens nur höflich nickt.
Anders reagiert mein Nachbar Xaver Dietenbach, der ein Stockwerk über mir wohnt und Elektriker ist: Wir standen zufällig zusammen im Treppenhaus, das SBF-Lehrbuch gut sichtbar unter dem Arm, und er meinte nur, der ganze Theorieteil fühle sich kaum noch nach Arbeit an, sobald man einmal selbst am Ruder gestanden hat. Er fährt seit einigen Jahren mit seinem SBF Binnen auf dem Rhein und kennt das Gefühl, vor einer Bucht zu stehen und in Sekunden entscheiden zu müssen, ob der Platz taugt.
Dass ich diese Online-Lernerei überhaupt neben einem Vollzeitjob am Schreibtisch durchziehe, hätte ich vor diesem Kurs nicht für machbar gehalten, aber in kleinen Portionen nach Feierabend funktioniert es überraschend gut.
Den nächsten Ankerplatz als Anfänger besser einschätzen
Für mich zählt am Schluss keine einzelne Formel, sondern eine Reihenfolge: erst der Schutz vor dem Wetter, dann der Grund, dann der Platz für die anderen Boote in der Bucht. In dieser Gewichtung würde ich als Anfänger nichts vertauschen wollen.
Die Mensch-über-Bord-Manöver, die später bei der praktischen Prüfung dazukommen, sind noch mal ein komplett anderes Kapitel, aber auch dort merke ich, wie viel leichter mir trockene Theorie fällt, wenn ich sie mir an einer konkreten Situation vorstelle statt an einer abstrakten Regel.
Für alle, die wie ich am Schreibtisch anfangen und sich fragen, ob sich der Sportbootführerschein SBF See-Binnen Online-Kurs für genau diesen Teil des Stoffs lohnt: Aus meiner Sicht ja, gerade weil sich die Quizfragen zu Ankerplätzen so oft wiederholen lassen, bis sich die beiden Situationen aus diesem Text nicht mehr nach Theorie anfühlen, sondern nach einer klaren Entscheidung.
Ich nutze weiterhin diesen Online-Kurs für SBF See & Binnen, einfach weil ich abends lernen will, wann ich Lust dazu habe, und nicht nach einem festen Stundenplan, und weil mir das Gefühl fehlt, irgendwann vor einer echten Bucht zu stehen, ohne zu wissen, wonach ich überhaupt schauen soll.