
Ein später Dienstagabend im Juni in Köln-Ehrenfeld. Vor mir auf dem Schreibtisch liegt eine Seekarte, die auf den ersten Blick aussieht wie ein Schnittmusterbogen aus den 80ern, nur komplizierter. Ich starre auf die Übungskarte D49 und merke: Als Softwareentwickler bin ich es gewohnt, dass ein Mausklick Probleme löst. Hier hilft mir kein Doppelklick weiter. Hier brauche ich echtes Werkzeug.
Hinweis: Auf dieser Seite findest du gelegentlich Affiliate-Links zu Kursen, die ich gerade selbst durcharbeite. Wenn du darüber buchst, bekomme ich eine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Ich empfehle hier nur das, was ich nach Feierabend tatsächlich selbst auf dem Bildschirm oder dem Schreibtisch habe.
KW 10: Der Moment, als die App nicht mehr reichte
Als ich mich im März 2026 für den Online-Kurs angemeldet habe, dachte ich noch optimistisch: „Das bisschen Theorie machst du auf der Couch.“ Und ja, für die 30 Fragen im Basis- und Fachfragenteil funktioniert das wunderbar. Aber dann kam das Modul Navigation. Im Kurs tauchten Begriffe wie Kurs absetzen und Koppelort auf. Der Dozent im Video hantierte mit zwei großen Plastikdreiecken und einem Zirkel. Ich saß da mit meinem iPad und fühlte mich wie jemand, der versucht, ein Steak mit einem Löffel zu schneiden.
Ich lernte schnell: In der Prüfung für den SBF See hast du exakt 60 Minuten Zeit. In dieser Stunde musst du nicht nur die Multiple-Choice-Fragen ankreuzen, sondern eine von insgesamt 15 offiziellen Kartenaufgaben lösen. Da wird nichts geklickt. Da wird gezeichnet, gemessen und radiert. Wer da kein vernünftiges Besteck hat, hat schon verloren, bevor die erste Seemeile berechnet ist.
Was gehört eigentlich in ein SBF See Navigationsset?
Nach den ersten drei Theorie-Wochen im März war klar: Ich muss shoppen. Aber was? Wenn man „Navigationsbesteck“ googelt, landet man in einer Welt aus Messing, poliertem Holz und nautischem Hochglanz. Für einen Moment war ich versucht, mir so ein edles Set im Holzkasten zu kaufen – sieht ja im Kölner Arbeitszimmer auch schick aus. Aber brauchen wir das als Anfänger wirklich?
Ein vollständiges Set für die Prüfung besteht zwingend aus drei Teilen:
- Das Kursdreieck: Das große Dreieck mit der Winkelanzeige (dem sogenannten Gradbogen).
- Das Anlegedreieck: Das zweite Dreieck, das man braucht, um das Kursdreieck parallel über die Karte zu verschieben.
- Der (Einhand-)Zirkel: Zum Abgreifen von Distanzen auf der Breitenskala.
Ich nutze für meine Vorbereitung das Paket vom Sportbootführerschein SBF See-Binnen Kurs, weil dort genau erklärt wird, wie man diese Werkzeuge auch ohne zwei rechte Hände unfallfrei bedient. Es ist eine Sache, das Besteck zu besitzen, und eine ganz andere, zu wissen, warum man es nicht wie ein Geodreieck in der 7. Klasse benutzt.
Meine ehrliche Meinung: Der Plastik-Zirkel-Hack
Hier kommt meine persönliche Erkenntnis, die mir einiges an Geld gespart hätte: Investiere nicht in teure, schwere Navigationsbestecke aus Messing. Ich weiß, die sehen nach „echtem Skipper“ aus. Aber in der Realität der Prüfungsvorbereitung sind die billigen Kunststoff-Zirkel aus den Standard-Sets oft viel präziser für uns Anfänger. Warum? Ein schwerer Messingzirkel verstellt sich durch sein Eigengewicht leichter, wenn man ihn ungeschickt anfasst. Der leichte Plastikzirkel bleibt starr in der Einstellung, die man gerade mühsam abgegriffen hat.
Ein kleiner Rückschlag aus KW 15: Ich saß am Küchentisch und wollte eine Distanz messen. Ich drückte die Zirkelspitze so fest in die Karte, dass ich fast den Tisch darunter markiert hätte. Dabei passierte es: Das leichte Zittern in den Fingern, wenn man versucht, die Zirkelspitze exakt in den winzigen Kreis einer Tonne auf der Karte zu setzen. Ein Millimeter daneben bedeutet in der Realität der Nordsee oft schon eine Viertelmeile Abweichung. Und die Prüfungstoleranz ist gnadenlos.
Die stillen Helden: Bleistift und Radiergummi
Was niemand sagt: Deine wichtigsten Begleiter sind ein weicher Bleistift und ein wirklich guter Radiergummi. In der Prüfung sind Korrekturen an der Tagesordnung. Es gibt nichts Frustrierenderes, als wenn man den Koppelort wegradieren will und dabei die halbe Seekarte verschmiert. Das kratzende Geräusch des weichen Bleistifts auf dem schweren Papier der Übungskarte, während draußen die Kölner Straßenbahn vorbeirauscht, ist mittlerweile mein Meditations-Soundtrack nach Feierabend geworden.
Der Moment des Versagens (und was ich daraus lernte)
Letztes Wochenende passierte es dann. Ich war stolz wie Bolle, hatte meinen ersten Kurs berechnet und eingezeichnet. Ich dachte, ich hätte das System verstanden. Bis ich merkte, dass ich das Kursdreieck falsch herum angelegt hatte und plötzlich einen Kurs quer durch das Festland berechnete. Laut meiner Karte wäre ich mit 12 Knoten direkt durch ein Naturschutzgebiet an Land gebrettert.
Das ist der Punkt, an dem man merkt: Theorie ist gut, aber man muss es haptisch machen. Wer nur in einer App klickt, lernt nicht das Gefühl dafür, wie man die Dreiecke gegeneinander verschiebt, ohne dass sie verrutschen. Wenn du dich fragst, wie man diese Fehler vermeidet, schau dir mal meinen Beitrag zum Thema SBF See Navigationsaufgaben lösen mit Zirkel und Kursdreieck an.
Fazit: Weniger ist mehr
Wenn du gerade erst anfängst, lass dich nicht von Profi-Equipment für Hunderte Euro blenden. Ein einfaches Set aus Kunststoff reicht völlig aus. Wichtiger als das Material ist die Übung. Ich bin zwar immer noch weit davon entfernt, ein Profi in Seemannssprache zu sein, aber zumindest perforiere ich meine Seekarten nicht mehr mit dem Zirkel.
Bevor du dich zur Prüfung anmeldest, solltest du sicherstellen, dass du alle Unterlagen zusammen hast. Eine gute Übersicht findest du hier: SBF Prüfung Anmeldung Checkliste. Ich bin kein Segellehrer oder Profi – ich bin nur ein Softwareentwickler aus Köln, der versucht, zwischen zwei Sprints ein bisschen Seeluft zu schnuppern. Wenn ich das hinkriege, schaffst du das auch. Bevor du irgendetwas kaufst oder dich anmeldest, sprich im Zweifel mit einem erfahrenen Skipper oder schau dir die offiziellen Vorgaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung an.
Das Navigationsset ist am Ende die Brücke zwischen der Couch-App und dem echten Skipper-Gefühl. Es macht die ganze Sache real. Und wenn ich irgendwann 2026 am Steuer stehe, werde ich an diesen verregneten Dienstagabend in Köln denken, an dem ich zum ersten Mal ein Kursdreieck richtig herum gehalten habe.
Falls du auch nach einer flexiblen Lösung suchst, die dich sicher durch die Kartenaufgaben bringt, kann ich dir den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Online-Kurs empfehlen. Er hat mir geholfen, das Chaos auf meinem Schreibtisch zumindest im Kopf zu ordnen.