Der Kugelschreiber liegt quer über dem Testbogen, ich zähle zum zweiten Mal nach: 34 von 39 Punkten. Laut Auswertung bin ich trotzdem durchgefallen. Genau dieser Denkfehler begegnet fast jedem Anfänger bei der Vorbereitung auf die SBF-See-Theorieprüfung: Man addiert sich eine Gesamtpunktzahl zusammen und denkt, die zählt. Bei meiner eigenen SBF-See-Vorbereitung war genau das der Punkt, an dem sich meine Tipps für die Theorieprüfung grundlegend geändert haben – und an dem meine Erfahrung mit dem Online-Kurs als Anfänger beim Bootsführerschein noch mal komplett neu anfing.
Bevor es weitergeht, kurz der Pflichthinweis: Auf dieser Seite verlinke ich gelegentlich zu Kursen, die ich selbst gerade durcharbeite, etwa zum Online-SBF-Kurs, mit dem ich lerne. Buchst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über Dinge, die bei mir wirklich auf dem Bildschirm oder dem Küchentisch liegen.
Reicht eine gute Gesamtpunktzahl für die SBF-See-Theorieprüfung?
Der Sportbootführerschein See gilt als Basisschein für alles, was mit Motor auf offenem Wasser fährt, und seine Theorieprüfung ist kein einziger großer Fragentopf, sondern drei getrennte Prüfungsteile. Sieben Basisfragen verlangen mindestens fünf richtige Antworten, dreiundzwanzig seespezifische Fragen mindestens achtzehn, und bei den neun Navigationsaufgaben müssen wenigstens sieben stimmen. Macht neununddreißig Fragen insgesamt bei sechzig Minuten Bearbeitungszeit – aber eben drei getrennte Hürden statt einer gemeinsamen Summe. Wer bei den Navigationsaufgaben unter sieben bleibt, fällt durch, selbst wenn die anderen beiden Teile makellos sitzen. Niemand hat mir das vor meiner eigenen Vorbereitung so klar gesagt, deshalb steht es hier so ausführlich, wie ich es selbst gebraucht hätte.
Im Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Aktuell im Test], den ich für meine Vorbereitung nutze, sind die drei Teile inzwischen auch als getrennte Fortschrittsbalken sichtbar, nicht als eine gemeinsame Prozentzahl. Erst als ich das gesehen habe, hat die Drei-Teile-Regel für mich wirklich Klick gemacht.
Der unterschätzte Navigationsteil
Von den drei Teilen frisst die Kursdreieck-Aufgabe in der Navigation erfahrungsgemäß am meisten Zeit, weil hier Zirkel, Winkel und Kartenlesen zusammenkommen müssen, bevor überhaupt ein Ergebnis auf dem Papier steht. Deshalb übe ich sie inzwischen immer zuerst und nicht als Belohnung am Ende der Lerneinheit, wenn die Konzentration schon nachlässt, am liebsten an der Marina Strande bei Kiel, wo der Blick zwischen echten Booten wenigstens eine Ahnung davon gibt, wofür der Kurswinkel auf dem Papier überhaupt steht. Wie das im Detail funktioniert, also Zirkel ansetzen, Kurs übertragen, Peilung eintragen, habe ich separat aufgeschrieben, in meinem Beitrag SBF See Navigationsaufgaben für totale Anfänger. An dieser Stelle nur so viel: Wer die Navigationsaufgaben unterschätzt, weil sie ja bloß neun von neununddreißig Fragen ausmachen, unterschätzt genau den Teil, an dem die meisten Anfänger hängen bleiben.
Multiple-Choice-Fallen frühzeitig erkennen
Bevor ich die Fragen richtig verstanden hatte, bin ich erst mal auf eine Karteikarten-App reingefallen, die zwar hübsch aussah, aber längst nicht den gesamten amtlichen Fragenkatalog abdeckte – ich habe viel Zeit damit verbracht, Fragen zu pauken, die in der echten Prüfung so gar nicht vorkommen. Seitdem prüfe ich nur noch Material, das sich ausdrücklich auf den offiziellen Katalog bezieht, und zwar getrennt nach den drei Prüfungsteilen, nicht als einen großen Topf. Im SBF See-Binnen-Kurs lässt sich das zum Glück nach Themenbereich filtern, sodass ich sehe, ob ich bei den Navigationsaufgaben wirklich über der Bestehensgrenze liege und nicht nur insgesamt gut aussehe. Genau diese Kontrolle pro Teilbereich ist mein wichtigster Tipp, wenn du gerade selbst mit der Vorbereitung anfängst: Miss dich nicht an der Gesamtquote, sondern an der schwächsten der drei Teilquoten.
Woran ich merke, dass die getrennte Kontrolle wirklich hilft? Im Zug nach Hamburg habe ich einmal einen kompletten Übungsbogen durchgeklickt, dreißig von dreißig Fragen richtig, ohne einmal anzuhalten, bis mich die Ansage am Hauptbahnhof aus der Konzentration gerissen hat. Keine geratene Antwort dabei, weil ich vorher genau wusste, in welchem der drei Bereiche ich noch unsicher war, und dort gezielt nachgeübt habe.
Die übrigen Prüfungsthemen im Schnelldurchlauf
Neben den drei Hauptteilen tauchen im Fragenkatalog naturgemäß auch die Klassiker auf: Steuerbord und Backbord auseinanderzuhalten, die Vorfahrtsregeln auf See, das Betonnungssystem der Seezeichen, die Schallsignale nach den Kollisionsverhütungsregeln und das Mensch-über-Bord-Manöver – jedes davon ist ein eigenes kleines Kapitel für sich, das ich hier bewusst nicht aufdrösle, weil es an anderer Stelle schon ausführlich behandelt wird. Wer nebenberuflich lernt, so wie ich das nach Feierabend mache, merkt außerdem schnell, dass sich die Theorie in kleinen, wiederkehrenden Einheiten leichter setzt als in seltenen Marathon-Sessions am Wochenende. Und wer noch unsicher ist, ob See oder Binnen zuerst drankommt, findet dazu meine Überlegungen in SBF See oder Binnen zuerst machen? – an dieser Stelle nur so viel: Für die Theorieprüfung selbst spielt die Reihenfolge kaum eine Rolle, für die Praxis später schon.
Warum der Online-Kurs für mich bleibt
Mein Kollege Ingo, der die ganze SBF-Idee anfangs für eine Schnapsidee hielt, hat nur den Kopf geschüttelt, wenn ich in der Mittagspause Fragebögen durchging. Inzwischen findet er es gut, dass neben dem Bildschirm noch etwas anderes in meinem Alltag Platz hat. Mein Nachbar Xaver, der oben im Haus wohnt und selbst seit einigen Jahren mit seinem SBF Binnen unterwegs ist, hat mir mal im Treppenhaus gesagt, dass sich der Theorieteil kürzer anfühlt, sobald man einmal am Ruder stand. Bei mir in der Altbauwohnung in Ehrenfeld liegen SBF-Lehrbuch und ein Kartenausschnitt inzwischen fest neben dem zweiten Monitor am Schreibtisch, während auf dem Küchentisch noch Tau-Reste von der letzten Knotenübung liegen und im Browser-Tab permanent der Online-Kurs offen ist.
Getestet und für gut befunden habe ich bislang nur den einen Kurs, mit dem ich selbst arbeite, deshalb verlinke ich hier ehrlich nur den: Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Hier testen]. Er zeigt die drei Prüfungsteile getrennt an, was für mich nach der ersten falschen Rechnung der entscheidende Unterschied war. Wenn du gerade selbst mit der Vorbereitung anfängst, nimm aus diesem Beitrag vor allem eines mit: Schau nicht auf die Gesamtpunktzahl, schau auf die schwächste der drei Teilquoten – die entscheidet am Ende, ob es reicht oder nicht.