
Es ist spät am Abend in meinem Homeoffice in Köln, die Zeilen Code auf meinem Monitor verschwimmen langsam, und eigentlich wollte ich nur noch eine Lektion in meinem SBF-Onlinekurs abhaken. Doch dann ploppt dieser Begriff auf: 'Pyroschein'. Plötzlich sehe ich mich vor meinem geistigen Auge, wie ich mit meinen zwei linken Händen eine brennende Fackel halte, während das Boot schwankt. Ein gruseliger Gedanke für jemanden, dessen gefährlichstes Werkzeug im Alltag ein Tacker ist.
KW 12: Theorie-Lektion 4 – Wenn der SBF plötzlich brenzlig wird
Ich bin jetzt seit ein paar Wochen dabei, mich durch den Stoff für den Sportbootf%C3%BChrerschein See zu wühlen. Ende März 2026 habe ich angefangen, und bisher dachte ich, es ginge nur um Vorfahrtsregeln und das Entziffern von blinkenden Tonnen. Aber der Fachkundenachweis (FKN), oft liebevoll 'Kleiner Pyroschein' genannt, ist ein ganz anderes Kaliber. Es geht um den Umgang mit Seenotsignalmitteln der Kategorie P2. Das klingt nach Spezialeinheit, meint aber eigentlich nur die Raketen und Signale, die man nicht einfach so im Laden kaufen darf.
Ich habe gelernt, dass der normale SBF mich zwar berechtigt, ein Boot zu führen, aber er gibt mir nicht automatisch die Erlaubnis, bestimmte Feuerwerkskörper an Bord zu haben oder gar zu benutzen. Dafür braucht man diesen extra Schein. Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren – ich bin also mit meinen 33 Jahren alt genug, fühle mich aber beim Gedanken an Explosivstoffe eher wie ein unsicherer Zwölfjähriger.
Anfang Juni: Der Fragenkatalog und die Dev-Logik
Nachdem ich mich im Juni tiefer in die Materie eingegraben habe, kam der Schock: Der FKN-Fragenkatalog umfasst insgesamt 60 Fragen. Das klingt erst mal wenig im Vergleich zu den Hunderten beim SBF, aber die haben es in sich. Es geht um Lagerung, Verfallsdaten und die rechtlichen Grundlagen des Sprengstoffgesetzes. In der Prüfung bekommt man einen Bogen mit 15 Fragen vorgelegt. Als Softwareentwickler versuche ich immer, alles in Logik-Gattern zu verstehen. Wenn X passiert, dann zünde Y. Aber bei Pyrotechnik gibt es kein 'Undo'.
Was mich am meisten nervös macht, ist nicht die Theorie. Die kann man auswendig lernen. Es ist das Wissen, dass diese Dinger wirklich gefährlich sind. Wenn ich daran denke, wie ich mich manchmal schon beim Batteriewechsel an der Fernbedienung anstelle, frage ich mich: Wenn ich es nicht einmal schaffe, einen Drucker ohne Hilfe zu konfigurieren, wie soll ich dann in einem Sturm eine Fallschirmrakete abfeuern? Das ist die Art von Selbstzweifel, die mich an manchen Abenden auf der Couch begleitet, während ich versuche, mir den Unterschied zwischen Handfackeln und Rauchsignalen einzuprägen.
Was ich diese Woche tatsächlich gelernt habe:
- Seenotsignale der Kategorie P2 dürfen nur für die Seenotrettung verwendet werden (logisch, aber wichtig).
- Die Lagerung muss in einem fest verschlossenen, wasserdichten Behälter erfolgen.
- Abgelaufene Signale sind Sondermüll und kein Silvesterfeuerwerk.
Was ich nochmal anschauen muss:
Die genauen Fristen für die Aufbewahrung und die verschiedenen Lichtstärken der Raketen. Mein Gehirn weigert sich noch, diese Zahlen als 'wichtig' abzuspeichern.
Tag 110: Ein schwüler Abend im Juli und die Sache mit dem Klick
Mitte Juli 2026. Die Luft in meiner Kölner Wohnung steht, und ich sitze mit einem Übungs-Signalstab am Küchentisch. Es ist ein Dummy, kein echtes Sprengmittel, Gott sei Dank. Aber die Übung ist Teil der praktischen Prüfung. Man muss die Handgriffe blind beherrschen: Kappe ab, Sicherung ziehen, Auslösen. Das trockene, plastische Klicken des Übungs-Signalstabs hallt in meinem ruhigen Wohnzimmer wider, während meine Katze mich aus sicherer Entfernung misstrauisch beobachtet. Wahrscheinlich denkt sie, ich habe jetzt endgültig den Verstand verloren.
In der Prüfung muss man zeigen, wie man eine Fallschirmrakete, eine Handfackel und ein Rauchsignal bedient. Man muss auch wissen, was zu tun ist, wenn ein Signal ein 'Versager' ist – also nicht zündet. Man darf es nicht sofort wegwerfen, sondern muss es eine gewisse Zeit in eine sichere Richtung halten. Das erfordert eine Ruhe, die ich momentan nur habe, wenn mein Code beim ersten Mal ohne Fehlermeldung durchläuft. Aber auf einem schwankenden Boot? Mit nassen Händen?
Ich habe mich in dieser Phase oft gefragt, ob ich den Aufwand wirklich treiben soll. Es ist ein zusätzlicher Termin, eine zusätzliche Gebühr und noch mehr Lernstoff. In meinem Beitrag darüber, ob man den SRC Funkschein zusammen mit SBF See machen sollte, habe ich ja schon über die Lernbelastung gejammert. Aber Sicherheit geht vor, oder?
Die unpopuläre Meinung: Ist der FKN heute noch zeitgemäß?
Hier kommt der Punkt, an dem ich vielleicht ein paar eingefleischte Segler verärgere. Während ich so über meinen Büchern saß, habe ich angefangen, mich in Foren und bei Charter-Anbietern umzuhören. Die Wahrheit ist: Der FKN ist entgegen der allgemeinen Empfehlung für viele Einsteiger eigentlich Zeitverschwendung. Warum? Weil die meisten modernen Charteryachten, die man als Anfänger so mietet, gar keine pyrotechnischen Signalmittel mehr an Bord führen.
Immer mehr Vercharterer stellen auf elektronische Notsignale (LED-Fackeln) oder satellitengestützte Systeme wie EPIRB um. Die sind sicherer in der Handhabung, halten länger und man braucht keinen 'Sprengstoffschein' dafür. Wenn ich also vorhabe, erst mal nur im Urlaub eine Yacht zu chartern, werde ich wahrscheinlich nie eine echte P2-Rakete in der Hand halten. Es ist ein bisschen so, als würde man lernen, wie man einen Vergaser einstellt, obwohl man plant, ein Elektroauto zu fahren. Dennoch: Wer ein eigenes Boot hat oder auf älteren Yachten mitsegelt, kommt um das Wissen nicht herum. Es ist ein klassisches 'Besser haben als brauchen'-Ding.
Fazit eines Anfängers
Obwohl ich den praktischen Nutzen für meine ersten Charter-Schritte kritisch sehe, habe ich mich entschieden, den FKN mitzunehmen. Es schult das Bewusstsein für Notfälle. Man lernt, dass man im Ernstfall nicht nur 'Hilfe' schreit, sondern verschiedene Werkzeuge hat. Und wenn ich irgendwann mal auf dem Boot meines Schwagers stehe und wir wirklich in eine brenzlige Situation kommen, will ich nicht der Typ sein, der fragt: 'Und wo ist hier der Power-Button?'.
Es ist ein weiterer kleiner Schritt weg vom reinen Schreibtisch-Dasein hin zu etwas, das sich nach echter Seefahrt anfühlt, auch wenn meine Knoten immer noch manchmal aussehen wie ein verfilztes Kopfhörerkabel. Falls ihr euch gerade fragt, womit ihr eigentlich anfangen sollt, schaut euch mal an, ob ihr den SBF See oder Binnen zuerst machen wollt – das war für mich die erste große Hürde, bevor ich überhaupt an Pyrotechnik denken konnte.
Ich bin kein Segellehrer und habe keine Verbindung zu einem Verband. Ich bin nur ein Softwareentwickler aus Köln, der versucht, nicht über seine eigenen Füße zu stolpern, während er lernt, wie man auf dem Wasser überlebt. Und wenn ich das hinkriege, dann schafft ihr das auch. Man muss kein geborener Skipper sein, um den FKN zu bestehen – man muss nur bereit sein, sich ein bisschen lächerlich zu machen, wenn man im Wohnzimmer mit Plastikrohren hantiert.