Rot links, grün rechts, tippe ich blitzschnell ins Quiz – und trotzdem blinkt sofort ein fettes rotes Kreuz auf. Wieder falsch. Sportbootführerschein online zu lernen heißt offenbar nicht, dass mein Entwicklerhirn mit sauberen Wenn-Dann-Regeln automatisch gewinnt: Beim Betonnungssystem SBF See-Binnen holt mich das Seezeichen-Lernen regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurück, und zwischen dem Wunsch, irgendwann selbst am Steuer zu stehen, und der Praxis liegen für mich aktuell noch 285 offene Fragen aus dem SBF-See-Fragenkatalog.
Kurzer Einschub, bevor es weitergeht: Dieses Anfänger-Tagebuch verlinkt hin und wieder zu dem Online-Kurs, den ich selbst gerade durcharbeite. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, am Preis ändert sich für dich nichts. Segellehrer bin ich keiner, sondern Softwareentwickler mit Steuerrad-Ambitionen – bei allem Fachlichen zu Sicherheit oder Prüfungsablauf frag also lieber zusätzlich deine Bootsschule.
KW 7: Seezeichen lernen, wenn Tonnen keine Meinung dulden
KW 7 steht bei mir ganz im Zeichen des IALA-Betonnungssystems. Wir lernen hier in der IALA-Region A, also Europa, Australien und Afrika – wichtig zu wissen, weil andere Weltregionen die Farben genau andersherum vergeben. Kommt man von See her in ein Fahrwasser, liegen die roten Tonnen an Backbord und die grünen an Steuerbord; mein Kopf will das sofort als feste Konstante abspeichern, bis der Kurs zu 'Binnen' wechselt und auf einmal die Fließrichtung zählt statt der Anfahrt vom Meer. Rechts ist dann dort, wo das Wasser hinfließt, nicht mehr dort, wo ich herkomme. Ein Umschalter, den ich in dieser Woche öfter falsch gelegt habe, als mir lieb ist.
Am meisten Kopfzerbrechen bereiten mir nach wie vor die Kardinalzeichen. Vier Quadranten – Nord, Ost, Süd, West – markieren eine Gefahrenstelle, und die kleinen schwarzen Toppzeichen verraten die Richtung: beide Spitzen nach oben heißt Nord, beide nach unten Süd, auseinanderzeigend Ost, zueinander West. Nur der Lüfter meines Laptops surrt leise dazu, während die nächste Quizfrage lädt, und meine mentale Trefferquote bei Ost und West liegt gefühlt noch auf Münzwurf-Niveau.
Was beim ersten Anlauf nicht half
Mein erster Versuch, mir die Seezeichen draufzuschaffen, war witzlos: Ich saß vor meinem Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Aktuell im Test] und habe die Prüfungsfragen im Loop durchgeklickt, ohne die Erklärungen dazu wirklich zu lesen, weil ich dachte, reine Wiederholung programmiert das schon irgendwie ins Gedächtnis. Nach zwei Tagen saß keine einzige Kardinalregel richtig, und die Trefferquote im Testmodus sah eher nach Zufallsgenerator aus als nach Fortschritt.
Geholfen hat mir stattdessen ausgerechnet Jutta, eine Studienfreundin aus dem Informatik-Studium, die heute als UX-Designerin in Düsseldorf arbeitet. Sie schickte mir unaufgefordert einen Link zu einer gestalterischen Analyse von Seekarten-Symbolik, und was für mich vorher nur zufällig verteilte Farbflächen waren, ergab plötzlich ein visuelles System mit eigener Logik. Manchmal braucht es offenbar keinen Segelschein, um einem Anfänger die richtige Frage zu stellen.
Auch Olaf, den ich beim praktischen Fahrtraining hier in Köln kennengelernt habe, bekommt in dieser Woche kurz seinen Auftritt: Der IT-Projektleiter aus Hamburg hat sich extra ein Wochenend-Angebot am Fühlinger See in Köln-Chorweiler gebucht, weil er berufsbegleitend parallel zu mir lernt – nur mit deutlich mehr Theorie-Vorsprung. Auf meine Frage, wie seine letzte Anlegeübung gelaufen sei, kam nur ein trockenes 'Ist gegen den Steg gekracht, war Mist' zurück. Direkter norddeutscher Ton, keine Ausreden – das mag ich an ihm.
Das grüne Licht auf dem Rhein
Auf der Fähre über den Rhein zog neulich im Dunkeln das grüne Licht eines Schubverbands vorbei, und ohne nachzudenken wusste ich, auf welcher Seite ich mich orientieren musste. Kein Zögern, kein Nachschlagen in der App. Steuerbord und Backbord sauber auseinanderzuhalten, ist noch mal ein eigenes Kapitel, das ich mir in der Lichterführung SBF See lernen: Einfache Eselsbrücken für die Theorieprüfung genauer vorgenommen habe, aber der Moment auf der Fähre hat mir zum ersten Mal gezeigt, dass die Theorie nicht nur in der App funktioniert, sondern auch, wenn es dunkel ist und ein echtes Schiff auf mich zukommt.
Sicher fühle ich mich trotzdem nicht rundum. Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn der Magen bei Wellengang rebelliert und ich gleichzeitig Toppzeichen entziffern soll. Standard-Lernvideos gehen meistens von einem ruhigen Wohnzimmer aus, nicht von echtem Seegang. Deshalb übe ich die Zeichen inzwischen so lange, bis sie auch im Ausnahmezustand noch sitzen, nicht nur bei perfekter Konzentration auf der Couch.
Fazit: Erst das System, dann die Symbole
Skipper bin ich davon noch meilenweit entfernt, und mein Wissen über Seezeichen bleibt vorerst Theorie vom Bildschirm, getestet nur in der App. Was für mich in dieser Woche trotzdem funktioniert: erst das System hinter den Symbolen verstehen, dann erst einzelne Zeichen pauken. Wer umgekehrt vorgeht, lernt jede Tonne einzeln auswendig und scheitert an der ersten Variante, die nicht exakt so im Lehrbuch stand. Falls du selbst noch überlegst, ob du erst SBF See oder Binnen zuerst machen als Einsteiger ohne eigenes Boot solltest, ist das ohnehin die Vorfrage, die vor jedem Betonnungssystem beantwortet werden muss.
Ein paar Themen schiebe ich bewusst auf spätere Wochen: Wie sich das Lernen neben dem Job überhaupt zeitlich durchhalten lässt, ist noch mal ein eigenes Kapitel für sich, genauso wie das Kursdreieck mit dem Zirkel, das in der Navigation auf mich wartet, oder die Vorfahrtsregeln, von denen ich bislang nur die groben Grundzüge kenne. Für Schallsignale und das Mensch-über-Bord-Manöver reserviere ich mir bewusst ruhigere Wochen, weil ich lieber einmal richtig als dreimal oberflächlich lernen will.
Wenn du auch gerade dabei bist, dich durch den Fragenkatalog zu beißen, kann ich den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Kurs nur empfehlen. Er macht die Theorie zumindest abends auf der Couch verdaubar. Die Erkenntnis aus KW 7 nehme ich in jedem Fall mit: Wer sich die Systematik hinter den Zeichen erschließt, statt einzelne Symbole stur zu pauken, kommt auch mit jeder neuen Tonne klar, die einem in der Prüfung untergejubelt wird.