
Fünf ist im SBF-See-Kurs keine banale Zahl mehr. Fünf kurze Töne hintereinander sind das einzige Schallsignal, das man auf dem Wasser nie überhören darf – und genau an diesem einen Muster hängt für viele Anfänger ein guter Teil der Theorieprüfung zum Sportbootführerschein See. Bei mir war das nicht anders: Zwischen Lichtern, Tonnen und Vorfahrtsregeln waren die Schallsignale lange der Abschnitt, den ich am liebsten übersprungen hätte. Inzwischen habe ich mir ein paar Lerntipps zurechtgelegt, mit denen die Muster wirklich hängen bleiben, ohne stures Auswendiglernen von Punkten und Strichen.
Auf meinem zweiten Bildschirm läuft sonst Code, gerade aber der Tab meines Online-Kurses, direkt daneben liegt das SBF-Lehrbuch aufgeschlagen, halb unter einem Seekartenausschnitt begraben. Genau dort habe ich gemerkt, dass sich Schallsignale anders lernen lassen als Lichterfolgen oder Betonnungsregeln: Sie sind kein Bild, das man sich einprägt, sondern ein Rhythmus, den man im Ohr behalten muss.
Die drei kurzen Signale für Kursänderungen
Ein kurzer Ton bedeutet: "Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord." Zwei kurze Töne heißen das Gegenteil, den Kurswechsel nach Backbord. Drei kurze Töne bedeuten schlicht: "Meine Maschine geht rückwärts." Laut den Kollisionsverhütungsregeln (KVR) dauert ein kurzer Ton dabei etwa eine Sekunde, ein langer Ton dagegen vier bis sechs Sekunden – dieser Zeitunterschied ist der eigentliche Schlüssel, nicht die Anzahl der Punkte auf dem Papier.
Mein Schwager Götz, der mich überhaupt erst aufs Wasser gebracht hat, erklärt mir Segelmanöver für gewöhnlich lieber mit Motorsport-Vergleichen als mit Nautik-Jargon. Bei den Kursänderungssignalen hilft mir aber eher meine eigene Denke als Softwareentwickler weiter: ein Ton, ein Zustand, zwei Töne, der andere Zustand, drei Töne ein dritter, klar abgegrenzter Fall – fast wie ein Switch-Statement mit drei Cases, nur dass hier gepfiffen statt kompiliert wird. Wer bei Steuerbord und Backbord noch unsicher ist, findet dazu mehr in meinem Lichterführung SBF See lernen-Eintrag, denn Lichter und Töne sind am Ende zwei Sprachen für dieselbe Absicht.
Wann reichen kurze Töne nicht mehr aus?
Sobald sich ein anderes Fahrzeug nicht erwartungsgemäß verhält oder seine Absicht unklar bleibt, kommt das Warnsignal: mindestens fünf kurze Töne in schneller Folge. In der Prüfung steht es meist unter der Formulierung "Zweifel an den Absichten oder Maßnahmen eines anderen Fahrzeugs", und es ist bewusst unangenehm laut und lang, damit niemand es für ein normales Manöversignal hält. Das hängt eng mit den Vorfahrtsregeln auf See zusammen, denn wer nicht sicher ist, ob der andere überhaupt ausweicht, hat mit diesem Ton die einzige Möglichkeit, das sofort klarzustellen.
Für mich ist die Eselsbrücke simpel: Eine Zahl, die man mit einem panisch fuchtelnden Skipper verbindet, vergisst man nicht mehr. Fünf kurze Töne, keine Verhandlung, keine Höflichkeitsfloskel.
Überholen klingt anders als Abbiegen
Beim Überholen in engen Fahrwassern kommt vor die kurzen Töne noch ein langer – und genau das habe ich in einer Übungsaufgabe zunächst mit dem einfachen Backbord-Signal verwechselt, weil mein Kopf "Backbord" automatisch mit zwei Tönen abgespeichert hatte. Das Überholsignal braucht aber vier Töne: Zwei lange, zwei kurze heißen "ich will an Ihrer Backbordseite vorbei", zwei lange, ein kurzer heißen "ich will an Ihrer Steuerbordseite vorbei". Der lange Ton am Anfang ist dabei keine Kursänderung, sondern eher ein Anklopfen – erst die Aufmerksamkeit holen, dann die Absicht nennen.
Sobald man diesen Unterschied zwischen Absichtserklärung beim Überholen und reiner Vollzugsmeldung bei der Kursänderung einmal verinnerlicht hat, verwechselt man die beiden Signalgruppen nicht mehr. Für die Prüfung reicht als Faustregel: Lange Töne kündigen etwas an, kurze Töne melden, was gerade passiert.
Nebelsignale am Rhythmus erkennen
Bei verminderter Sicht ändert sich das ganze Prinzip. Statt ein Manöver anzuzeigen, geht es nur noch darum, überhaupt gehört zu werden. Ein Fahrzeug mit Maschinenkraft, das Fahrt durchs Wasser macht, gibt alle zwei Minuten einen langen Ton ab. Stoppt es und macht keine Fahrt mehr durchs Wasser, werden daraus zwei lange Töne im selben Zwei-Minuten-Takt. Segelfahrzeuge und manövrierunfähige Fahrzeuge hupen wiederum in der Folge lang-kurz-kurz.
Ausgerechnet mit den Seezeichen bin ich früher schon einmal auf die Nase gefallen, und zwar mit derselben Methode, die ich zuerst auch für die Schallsignale versuchen wollte: Ich hatte mir eine Betonnungstabelle ausgedruckt und an die Kühlschranktür geklebt. Wochenlang hing sie da, und wochenlang habe ich sie beim Kaffeeholen bestenfalls aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Reines Aufhängen ersetzt kein aktives Wiederholen, egal ob bei Seezeichen oder bei Nebelsignalen. Im Kursforum postet ein Mitlerner namens Wilfried Kupfer regelmäßig einen "Tipp der Woche"; sein Beitrag zu den Nebelsignalen war inhaltlich richtig, aber für den ersten Anlauf fast zu detailliert.
Kurze Lerntipps für die Schallsignal-Fragen
Wer sich die Zeitdauer einmal bewusst gemacht hat – kurz etwa eine Sekunde, lang vier bis sechs Sekunden – merkt beim Üben mit echtem Ton schnell, wie unterschiedlich sich beide Längen anfühlen. Es ist ein bisschen wie bei einem neuen Tau, wenn man einen Palstek zieht: Am Anfang spürt man nur Widerstand, bis er nach ein paar Sekunden plötzlich nachgibt und der Knoten sitzt. Bei den Tonmustern läuft es ähnlich – anfangs zählt man jeden Ton einzeln mit, irgendwann sitzt der Rhythmus im Ohr, ohne dass noch gezählt werden muss. Für die praktische Übung nutze ich dafür eine der Apps aus meinem Beste SBF See App Vergleich-Test, weil sie den echten Sound abspielt statt nur Text anzuzeigen.
Als konkrete Faustregel für die Prüfung merke ich mir: Kommt in einer Aufgabe ein langer Ton vor, geht es entweder um Überholen oder um verminderte Sicht, nie um eine reine Kursänderung. Diese eine Unterscheidung löst schon einen großen Teil der Verwechslungsfragen. Am Steuer meiner praktischen Fahrausbildung in Köln auf dem Rhein werde ich vermutlich trotzdem kurz zusammenzucken, wenn mich ein Binnenschiff das erste Mal richtig anhupt – aber wenigstens weiß ich dann, ob es "Guten Tag" oder "aus dem Weg" bedeutet.